Lycurgus' politische Reformen: Spartas Aufstieg

Die politischen Reformen des ‘Lycurgus’ waren für den Aufstieg der Spartaner im sechsten Jahrhundert aus zwei Gründen von entscheidender Bedeutung: Erstens beseitigte die Lösung ihrer internen politischen Probleme die Hauptursache für die politischen Umwälzungen, die im übrigen Griechenland zur Tyrannis führten; zweitens ermöglichte die konstitutionelle Harmonie zwischen den wichtigsten politischen Kräften im Staat (den Königen, der Gerousia und dem ‘Damos’) es den Spartanern, ihre vereinten Kräfte gegen andere griechische Städte zu richten sowie die Kontrolle über ihre Heloten und Perioeci auszuüben. In den Worten des Thukydides:

Thukydides 1.18.1:

Denn seit etwa vierhundert Jahren oder etwas mehr bis zum Ende dieses [d. h. Peloponnesischen] Krieges genießen die Lakedaimonier dasselbe Regierungssystem. Nachdem sie dadurch mächtig geworden waren, griffen sie in die Angelegenheiten anderer Staaten ein.

Die Grundlage für diese politischen Reformen war ein archaisches Dokument, das als die Große Rhetra bekannt ist und in Plutarchs Leben des Lykurg zitiert wird, das er aber mit ziemlicher Sicherheit in Aristoteles’ verlorenem Werk, Die Verfassung der Spartaner, gefunden hat.

Eine ‘Rhetra’ ist das spartanische Wort für eine Verordnung oder ein Dekret, das der Tradition nach nicht schriftlich festgehalten wurde, wie es im fünften Jahrhundert in Athen üblich war. Die Große Rhetra war jedoch von so immenser politischer Bedeutung, insbesondere für die spartanischen Hopliten, dass ihre Bestimmungen irgendwann schriftlich festgehalten wurden, um zu gewährleisten, dass sie respektiert und in Zukunft befolgt würden:

Plutarch, Lycurgus 6:

Nachdem sie einen Kult des Syllanischen Zeus und der Athena eingerichtet hatten, nachdem sie das ‘Tribing und Obing’ durchgeführt und eine Gerousia von dreißig Mitgliedern einschließlich der Könige eingerichtet hatten, (1) sollen sie Saison für Saison Apellai zwischen Babyka und Knakion abhalten; (2) die Gerousia soll sowohl Vorschläge einbringen als auch sich heraushalten; (3) der Damos [Dorisch-Griechisch für ‘Demos’] soll die Macht haben, [in Plutarchs Glosse zu einer schlecht verständlichen dorischen Phrase] ‘ein entscheidendes Urteil abzugeben’; … (4) aber wenn der Damos krumm spricht, sollen die Gerousia und die Könige die Entferner sein.

Leider sind die genaue Bedeutung und Signifikanz dieser Verfassungsbestimmungen, die Datierung des Dokuments und der historische Kontext zum Zeitpunkt seiner Einführung unter modernen Gelehrten Gegenstand größter Kontroversen. Dennoch legte die Große Rhetra, wenn auch in vereinfachter Form, die Befugnisse und die Wechselbeziehung zwischen drei der vier wichtigsten staatlichen Institutionen fest (siehe unten zu den verfassungsmäßigen Befugnissen der ‘Ephoren’).