Streifen, Punkte und gestohlene Federn: Traditionelle Ursprungsgeschichten

Das Krokodil und der Leguan

Als Krokodil und Leguan erschaffen wurden, hatten sie keine Zungen.

Dann schuf der Schöpfer zwei Zungen und sagte zu Krokodil und Leguan: “Ihr beide werdet ein Wettrennen laufen. Ich habe beide Zungen an die Ziellinie gelegt. Der Gewinner des Rennens erhält beide Zungen, und der Verlierer erhält überhaupt keine Zunge.”

Das Krokodil war größer und stärker als der Leguan, aber der Leguan war schneller als das Krokodil, und er erreichte zuerst die Ziellinie.

Deshalb hat das Krokodil jetzt nur noch eine Art Stumpf im Maul, während der Leguan eine lange, gespaltene Zunge hat.

Die Frau und ihre Yams

Es war einmal eine alte Frau, die ein Feld mit Yams bepflanzte.

Eines Morgens, als sie zum Feld ging, stellte sie fest, dass jemand die Yams ausgegraben hatte. Das machte sie wütend.

„Wer hat meine Yams gegessen?!“, schrie sie.

Sie konnte nicht herausfinden, wer der Dieb war.

Als sie dann auf dem Feld arbeitete, sah sie eine Herde Schweine. Sie fraßen ihre Yams! Die Frau jagte die Schweine und schlug sie mit ihrer Hacke auf die Nase.

Sie schlug sie hart!

Deshalb haben Schweine heute platte Nasen: Die Frau bestrafte sie dafür, dass sie ihre Yams gestohlen hatten.

Die Sonne und der Schakal

Eines Tages kam die Sonne auf die Erde herab und setzte sich an den Straßenrand.

Leute gingen vorbei; sie beachteten die Sonne nicht.

Als der Schakal vorbeikam, sah er die dort sitzende Sonne.

„Oh!“ rief er. “Die Leute haben dieses Kind zurückgelassen.

Und was für ein gutaussehendes Kind er ist!“

Der Schakal hob die Sonne auf. “Ich werde dich tragen“, sagte er und legte die Sonne auf seinen Rücken.

Dann verbrannte ihn die Sonne.

„Aua! Das tut weh!“ schrie der Schakal. “Steig runter!“

Aber die Sonne blieb auf dem Rücken des Schakals kleben und brannte ihn weiter.

So hat der Schakal seinen Streifen bekommen.

Der Leopard und die Hyäne

Zwei Löwenjunge sahen menschliche Krieger, die Kriegsbemalung trugen.

„Wir brauchen auch Kriegsbemalung!“, sagte ein Junges.

„Ich bemale dich“, sagte das andere Junge. „Dann bemalst du mich.“

Sie besorgten sich etwas Farbe, und ein Junges bemalte das andere mit wunderschönen schwarzen Flecken.

Das gefleckte Junge hatte gerade erst angefangen, das andere Junge zu bemalen, als sie einen Menschen rufen hörten: „Hilfe! Eine meiner Ziegen ist entlaufen!“

Begierig darauf, die Ziege zu fangen, warf das gefleckte Junge den gesamten Farbtopf nach dem anderen Jungen und rannte davon.

Das Junge mit den sorgfältig gemalten Flecken wurde zum Leoparden.

Das andere Junge wurde zur Hyäne.

Der Papagei und die Henne

Papagei und Henne waren einst Freunde und lebten zusammen in einem Dorf.

'Ich werde heiraten', teilte Papagei der Henne eines Tages mit. 'Würdest du mir bitte einige deiner schönen Federn leihen?'

In jenen Tagen hatte die Henne sehr prächtige Federn, der Papagei jedoch nicht.

Als der Papagei von seiner Hochzeitsreise zurückkehrte, beschloss er, die Federn zu behalten. 'Sie sehen an mir besser aus!', sagte er zur Henne.

Die Henne war wütend und griff den Papagei an, woraufhin der Papagei in die Bäume flog.

Deshalb tragen Papageien heute prächtige Federn und leben in Bäumen, während Hennen schlicht sind und im Dorf leben.